Buchtipp: Was eine Reise für einen Hund bedeutet

Für eine entspanntes Reise mit Hund ist es wichtig sich klar zu machen, was eine Reise für einen Hund bedeutet. Nur so können wir alles dafür tun, dass auch unser Hund eine entspannte Zeit im Urlaub hat. Das Buch „Das geheime Leben der Hunde“ gibt viele wertvolle Hinweise Reisen aus Sicht eines Hundes zu verstehen. Die Autorin und Verhaltensforscherin Elizabeth Marshall Thomas beobachtet über viele Jahre das Verhalten ihrer Hund und lässt uns tief in die Gedanken und Gefühle von Hunden eintauchen. Sie zeigt auf, worauf es ankommt, um eine harmonische Beziehung zu seinem Hund aufzubauen und welche Rolle wir Menschen in der Welt der Hunde spielen. Ich habe daraus 6 Erkenntnisse gewonnen, die aufzeigen, was ein Hund für eine stressfreie Reise benötigt:

Zum ersten Mal las ich das Buch „Das geheime Leben der Hunde“ als ich vor über 30 Jahren meinen ersten Hund bekam. Ich war fasziniert so tief in die Seele der Hunde einzutauchen und habe zum ersten Mal verstanden, was eine auf Vertrauen und Wechselseitigkeit beruhende Beziehung auf Augenhöhe bedeutet. Diese Erkenntnis ist seitdem nicht nur die Grundlage im Umgang mit meinen Hunden. Es hat sogar meinen Blick auf alle Lebewesen und die Welt verändert.

In diesem Beitrag möchte Euch deshalb einladen, einmal in die Welt Eures Hundes einzutauchen und aus ihrer Sicht zu verstehen, was eine Reise für einen Hund bedeutet. Darüber hinaus empfehle ich jedem Hundebesitzer – und vielleicht sogar jedem Menschen – dieses Buch zu lesen. Vielleicht wird es auch Euren Blick auf die Welt verändern.

Erkenntnis 1: Hunde möchten dazu gehören

Vielleicht habt auch ihr Euch schon oft die Frage gestellt, ob Euer Hund überhaupt Lust hat, zu reisen. Die gute Nachricht: Ja! Denn Hunde möchten dazu gehören. In dem Buch „Das geheime Leben der Hunde“ beschreibt Elizabeth Marshall Thomas in verschiedenen Situationen das Verhalten ihres Hunderudels: Unterordnung, Rangkämpfe, Fortpflanzung und Kommunikation. Dabei gelangt sie zu einer wesentlichen Erkenntnis: „Vielleicht wäre jeder Hund gern die Nummer eins, aber wie bei uns ist den meisten Hunden das Dazugehören wichtiger als die eigene Überlegenheit, so dass ihnen ihr soziales System, wenn jeder sich erst einmal mit seinem Platz abgefunden hat, beruhigend solide erscheinen muss, fest und verlässlich, eine wohl ausgewogene Statuspyramide“. Hunde ordnen sich also lieber unter als vom Rudel verstoßen zu werden.

Für eine Reise mit einem Hund bedeutet dies, dass ein Hund alles dafür tun wird, um beim Rudel dabei zu sein. Auch wenn es ihm wahrscheinlich besser gefallen würde, in seinem vertrauten Territorium zu bleiben, wird er sich der Entscheidung des Rudels unterordnen und ihm folgen. Es gibt jedoch eine wichtige Voraussetzung: alle im Rudel müssen ihren Platz einnehmen und der Hund  muss sich insbesondere auf das souveräne und konsistente Verhalten des Rudelführers verlassen können. Dazu gehört das Klären von Konflikten mit Artgenossen, die Auswahl eines geeigneten Lagerplatzes genauso wie die Organisation und Versorgung des eigenen Rudels. Kann sich ein Hund darauf verlassen, wird er auch in einer ungewohnten Umgebung stets entspannt sein und vertrauensvoll seinem Rudel folgen.

Lunas Tipp: Als rudelführer Sicherheit geben

“Ich bin hier der Chef und mein Hund muss gehorchen!” – mit dieser Haltung versuchen viele Hundehalter:innen ihre Rolle als Rudelführer:in einzunehmen. In der Welt der Hunde sieht die Rolle des Rudelführers jedoch ganz anders aus: sein Auftrag ist es, für Sicherheit zu sorgen. Dazu muss er souverän auftreten und vor allem konsistent im Sinne des Rudels entscheiden. Ein Hund erkennt dies zum Beispiel daran, dass wir Begegnungen mit Artgenossen klären und souverän vorweg gehen. Dass er uns dies nicht zutraut zeigt er uns hingegen, wenn der Hund in diesen Situationen bellend in der Leine hängt. Im Training braucht es Klarheit, dass wir diese Rolle selbstverständlich einnehmen und nicht den Hund von seinem Verhalten abhalten, indem wir ihn mit Leckerlies bestechen oder für den Versuch, für Sicherheit zu sorgen, bestrafen. Wird die Rolle des Rudelführers hingegen souverän eingenommen, brauchen wir nur mit einen Blick ein Signal geben, dass wir uns um alles kümmern. Aus meiner Sicht ist es deshalb empfehlenswert, eine Reise mit Hund erst dann zu planen, wenn diese Rolle des Rudelführer souverän eingenommen wird und der Hund sich daran ohne Stress orientieren kann.

Erkenntnis 2: Das Territorium ist überlebenswichtig

Auch wenn ein Hund seinem Rudel auf eine Reise folgt, bedeutet dies nicht, dass er sein gewohntes Territorium gerne verlässt. Denn in einem neuen Territorium ist die eigene Position unter fremden Artgenossen ungeklärt. Was dies aus Sicht eines Hundes bedeutet, erkennt die Autorin nachdem sie ihrem Huskyrüden Misha über lange Zeit auf seinen Streifzügen durch die Stadt begleitet. In ihr wächst dabei die Frage, welche Bedeutung für ihn das Markieren im Revier und sein Verhalten bei der Begegnung mit anderen Hunden hat. Erst als sie eine Zeit lang ein Wolfsrudel mit seinen Jungen in freier Wildbahn beobachtet, versteht sie schließlich: Besitz und Dominanz sind für einen Hund überlebenswichtig. „Für ein wildes und namentlich für ein soziales Tier kann eine hohe Position in der Rangordnung Überleben bedeuten, nicht nur für das Tier selbst, sondern auch für seine Jungen.“ Wie überlebenswichtig die Verteidigung des eigenen Status ist, erkennt die Autorin in einer späteren Situation, in der ihre ranghohen Husky-Rüden Suessi und Windigo einen aufgenommenen Husky-Rüden versuchen zu töten. Sie schmeißt sich dazwischen und blickt direkt in die Augen ihrer Hunde: „…und ich sah darin keine Wut, keine Furcht, keine Drohung, kein Zeichen von Aggressivität, sondern nur Klarheit und überwältigende Entschlossenheit.“

Ein Urlaub, in dem alle Hunde fremd sind, ist für einen Hund eine äußerst unnatürliche Situation, die es in freier Wildbahn so niemals geben würde. Die Rangordnung unter fremden zu klären bedeutet für einen Hund im Urlaub puren Stress. „Zu wissen, wer wer ist, macht Zank und Streit überflüssig“ schreibt Elizabeth Marshall Thomas. In einem Urlaub aber ist genau dies nicht gegeben, weil sich alle Hunde noch nie begegnet sind. Zu welchem Verhalten dies bei einem Hund in einer fremden Region führt, hängt von dem Charakter und der Rolle des Hunde im Rudel ab. Ein dominanter Hund wird vielleicht versuchen, das Territorium zu gewinnen, ein rangniedriger Hund wird sich mit großer Unsicherheit im neuen Territorium bewegen. Eines ist bei beiden Hunden hingegen gleich: sie haben im Urlaub eine Menge Stress.

Lunas Tipp: Das neue Territorium abstecken

Ist wie oben beschrieben die Rolle des Rudelführers geklärt, können wir dem Hund aus dieser Position das neue Territorium erklären. Hilfreich ist dabei, das Gebiet so klein wie möglich zu halten, Hundebegegnungen zu Anfang zu vermeiden und sich wiederholende Abläufe und Wege zu etablieren. Wir gehen deshalb mit Luna gerade zu Anfang eines Urlaub immer die gleichen Spazierwege zur gleichen Uhrzeit. Dies ermöglicht auch eine direkte Kommunikation zwischen den Hunden über das markieren. Was wir also als langweilig bezeichnen schafft für den Hund eine Menge Ruhe und Sicherheit. Darüber hinaus bieten wir Luna an Orten mit vielen Hunden wie zum Beispiel einem Hundestrand zunächst einen sicheren Platz an, um das Geschehen aus der Ferne zu beobachten. Eine Leine und eine bekannte Decke kann dem Hund zusätzlich Sicherheit geben. Diese Sicherheitsanker sollten bereits zuhause oder bei kleineren Ausflügen wie beispielsweise einem Restaurantbesuch etabliert werden. All dies sind Hilfsmittel, einem Hund auf einer Reise Unsicherheit und Stress zu nehmen.

Erkenntnis 3: Die Stabilität der Gruppe verändert sich

Neben dem Territorium ändert sich auf einer Reise eine weitere wichtige Größe für den Hund: das soziale Gleichgewicht der Gruppe. In dem Buch „Das geheime Leben der Hunde“ wird die Bedeutung von Stabilität im Rudel deutlich als die Hündin Maria Junge zu Welt bringt und der Rüde Misha die Familie verlässt. Maria wird schwerfälliger, weniger ansprechbar und wird schnell wütend. Als später die ängstliche Schlitten-Hündin Koki hinzukommt, kommt es immer wieder zu Streit zwischen ihr und Maria. In anderen Szenen beobachtet Elizabeth Marshall Thomas, dass auch Veränderungen bei den Menschen aus Sicht der Hunde zu großer Unsicherheit führen kann: „Hunde können selbst die kleinsten Veränderungen im Verhalten des Menschen erkennen, und ihre Fähigkeit zur Einfühlung hilft ihnen, das Geschehene zu deuten“.

Auf einer Reise gibt es viele Veränderungen, die aus Sicht eines Hundes große Unsicherheit hervorrufen kann. Jemand, der sonst den ganzen Tag arbeiten geht, ist nun den ganzen Tag da oder es sind ganz neue Rudelmitglieder wie zum Beispiel Freunde dabei. Auch treffen andere als im Alltag wichtige Entscheidungen oder die Bezugsperson ist nicht immer verfügbar. Ein Hund, der in sich gefestigt ist, wird dies vermutlich stillschweigend hinnehmen. Andere bringen ihren Stress hingegen zum Ausdruck oder fordern die Stabilität der Gruppe aktiv ein. Manchmal zeigen Hunde im Urlaub dann ganz ungewohnte Verhaltensweisen und können zum Beispiel plötzlich nicht mehr allein bleiben. Auf einer Reise achten wir deshalb darauf, die Stabilität der Gruppe so weit wie möglich zu erhalten. 

Lunas Tipp: Feste Rituale beibehalten

Allein durch die Anwesenheit aller Rudelmitglieder können wir die gewohnte Stabilität der Gruppe von Zuhause im Urlaub nicht zu 100% herstellen. Wir können aber dafür sorgen, so wenig zusätzliche Veränderungen wie möglich im Urlaub zu erzeugen. Dazu gehört zum Beispiel so viele Abläufe wie möglich von zuhause fortzuführen: Gassirunden mit der gewohnten Person zur gewohnten Zeit, vergleichbare Ruhezeiten und einen vergleichbaren Tagesablauf. Dies sind für Hunde feste Orientierungspunkte und vermitteln ihnen Sicherheit. Zusätzlich hilft es dem Hund in Vorbereitung auf einen Urlaub sehr, ihn bereits im Alltag an Veränderungen in der Gruppe zu gewöhnen. Von einem Hund, der sich permanent zuhause aufhält und selten fremde Menschen sieht, kann ich nicht erwarten, dass er im Urlaub völlig entspannt mit der Situation umgeht. Wenn ich mit meinem Hund regelmäßig verreisen möchte, ist es deshalb hilfreich, wenn Veränderungen in der Gruppe Teil des Alltags sind.

Erkenntnis 4: Hunde brauchen einen festen lagerplatz

Ein weiterer wichtiger Orientierungspunkt für Hunde ist ein fester Lagerplatz. Als die Elisabeth Marshall Thomas eines Tages entdeckt, dass ihre Hunde im Garten heimlich einen versteckten Bau gegraben hatten, versucht sie zu ergründen welche Bedeutung so eine Art Lagerplatz für Hunde hat. In einem anderen Kapitel beobachtet die Autorin über einen längeren Zeitraum ein Wolfsrudel und bemerkt, dass eine Höhle schon seit mehreren Generationen von Wölfen bewohnt wird, wo die Jungen die Futter suchenden Eltern erwarten. „Wenn wir uns als Gegner oder verdächtig aussehende Fremde betrachten, würden wir uns wohl in alle Richtungen zerstreuen. Wären wir aber ein Team oder eine Familie, wäre vermutlich unsere erste Handlung, egal, ob wir eine Zeit lang zu bleiben gedächten oder nur klären wollten, was zu tun sei, ein Lager zu errichten. Wir hätten das Bedürfnis nach einem Zentrum für unsere Gruppe und unsere Aktivitäten.(…) Wieso? Weil wir nur mit einem festen Lagerplatz wüssten, wohin wir uns orientieren und wohin wir zurückkommen könnten, wo wir die anderen fänden und sie uns“.

Wenn wir bei einer Reise mit einem Hund den heimischen Lagerplatz verlassen, verliert ein Hund genau das: einen sicheren Hafen, in dem er sein Rudel, Ruhe und etwas zu fressen findet. Viel Zeit in der Urlaubsunterkunft zu verbringen, ist für die meisten Menschen hingegen eher unattraktiv. Kaum angekommen muss die Umgebung erkundet und bei schönem Wetter geht es direkt an den Strand, zum Pool oder auf den Spielplatz. Auch wenn wir den Hund mitnehmen weiß er nicht, wo sein sicherer Hafen sein wird. In einem unsicheren Territorium ist dieser aus Sicht eines Hunde jedoch umso wichtiger.

Lunas Tipp: einen sicheren Lagerplatz schaffen

Für einen entspannten Urlaub wird es dem Hund helfen, die neue Unterkunft als festen Lagerplatz zu etablieren. Deshalb verbringen wir den ersten Tag überwiegend in der Unterkunft, finden einen passenden Schlaf- und Futterplatz und machen nur kleine Spaziergänge in der unmittelbaren Umgebung. Außerdem nehmen wir immer einen vertrauten Schlafplatz mit und versuchen alle Rituale aus dem Alltag wie feste Futter- und Spielzeiten beizubehalten. Alleine bleibt Luna in der Unterkunft erst nach der 1. Nacht und wir bauen die Zeiten des Alleinbleibens langsam auf. Und hier gilt natürlich auch: was der Hund zuhause nicht kann, wird er in der ungewohnten Umgebung umso weniger schaffen. Deshalb empfehle ich erst mit einem Hund auf reisen zu gehen, wenn das zuhause als Platz zum Entspannen etabliert ist.

Erkenntnis 5: Sightseeing stört den Frieden

Etwas anderes wo sich Mensch und Hund grundlegend unterscheiden ist der Wunsch danach etwas zu erleben – ein Wunsch den wir Menschen um so mehr haben, wenn wir auf Reisen gehen. In dem Buch „Das geheime Leben der Hunde“ wird hingegen deutlich, was Sightseeing und den ganzen Tag auf Achse sein für einen Hund bedeutet: puren Stress! Dies erkennt Elizabeth Marshall Thomas insbesondere als sie eines Tages bei ihren Hunden sitzt. Gemeinsam beobachten sie wie Blätter zu Boden fallen, hören dem Wind zu und tun…. nichts. Sie erkennt: „Wenn Hunde glücklich und mit ihrem Leben zufrieden sind, tun sie nichts. (…) Primaten empfinden vollkommenes Nichtstun als Langeweile, Hunde jedoch empfinden es als Frieden.“

Auf einer Reise gehören für viele Menschen Ausflüge, Besichtigungen und Erlebnisse hingegen zu einem gelungenen Urlaub. Wir wollen möglichst viel erleben und all die Dinge tun, zu denen wir im Alltag nicht kommen. Den ganzen Tag unstrukturiert durch die Gegend zu laufen ohne aus seiner Sicht eines Hundes keinem konkreten Ziel nachzugehen, ergibt für einen Hund keinen Sinn. Ein Hund verlässt seinen Lagerplatz ausschließlich zum Jagen, zur Verteidigung des Territoriums oder zur Paarung. Des Rest des Tages schläft er, is zu 20 Stunden am Tag. Während viele Hund zuhause den ganzen Tag alleine sind und diesen Frieden finden, wird er bei einem ganztägigen Ausflug dafür wenig Gelegenheit finden. Wenn wir einem Hund auf Reisen möglichst viel Stress ersparen möchten, müssen wir den Urlaub so gestalten, dass er diesen Frieden findet. 

Lunas Tipp: Für ausreichend ruhepausen sorgen

Auch wenn wir dafür im Urlaub auf das ein oder andere verzichten müssen, ist es für die Zufriedenheit unserer Hunde sehr wichtig, dass sie ausreichend Ruhe und Schlaf finden. Wir planen deshalb immer auch Zeit in unserer Unterkunft ein. Außerdem haben wir Luna vorab beigebracht, auch an fremden Orten alleine zu sein. Auch strukturieren wir die Tage so, dass nach jeder Aktivität eine Pause folgt. Hilfreich ist auch hier wieder eine Decke dabei zu haben, die zum Beispiel in Restaurants oder am Strand als Ruheinsel dient. Wie viel Stress ein Hund beim Sightseeing hat, hängt außerdem von der Rasse ab. Während ein Hütehund mehr Stress damit haben wird, all die durcheinander laufenden Menschen bei einer Stadtbesichtigung zusammen zu halten, wird ein Jagdhund jeden Ausflug als spannende Jagd sehen. Damit ein Jagdhund dabei nicht die Freude verliert, ist jedoch ein Jagderfolg wichtig – sei es ein Ballspiel nach einer Kanutour oder eine Kaustange im Restaurant. Damit wird Sightseeing sinnvoll aus Sicht eines Hundes – wenn er sich schon nicht für Kunst und Geschichte interessiert.

Erkenntnis 6: eine gleichwertige Beziehung schafft Vertrauen

Wir haben nun gelernt, dass eine Reise aus Sicht eines Hundes mit vielen Unsicherheiten verbunden ist. Damit uns ein Hund auf einer Reise in die unbekannte Welt der Menschen folgt, braucht es deshalb Vertrauen. In dem Buch „Das geheime Leben der Hunde“ beschreibt Elizabeth Marshall Thomas in verschiedenen Szenen wie es gelingen kann, dass Hunde dieses Vertrauen aufbauen und in der Welt der Menschen bestehen können. „Acht Jahre lang hatten mein Mann und dieser Hund eine auf Vertrauen und Wechselseitig beruhende Beziehung zueinander aufgebaut, in der keiner unvernünftige Forderungen an den anderen stellte, keiner den anderen bevormundete oder versuchte, ihn zu unterwerfen. Nur vor einem solchen Hintergrund, nur wenn beide sich als gleichwertig betrachten, kann es zu einer solchen Szene kommen“.

Eine solche Beziehung zu unserem Hund aufzubauen wird ihm helfen, mit den Unsicherheiten auf einer Reise entspannt umzugehen und in der Welt der Menschen zu bestehen. Aus Sicht eines Hundes ist menschliches Verhalten geheimnisvoll und launenhaft, verhalten wir uns jedoch im Alltag konsistent, souverän und planbar, werden wir zu einem vertrauenswürdigen Partner für einen Hund. Denn in der Welt der Menschen, in der Hunde leben, wissen sie, dass sie uns mehr brauchen als wir sie.

Lunas Tipp: Konsistentes Verhalten zeigen

Ein Hund wird uns Vertrauen, wenn wir uns aus seiner Sicht konsistent und logisch verhalten. Dem Hund sagen, dass wir auf dem Weg abbiegen? Macht aus aus seiner Sicht keinen Sinn: er riecht uns bis auf 1 km Entfernung und weiß immer, wo wir sind. Den einen Tag einen bellenden Hund von uns fern halten und uns dann auf der Hundewiese ableinen und ins Getümmel schicken? Macht aus der Sicht eines Hundes keinen Sinn: wollte er mich als sein Rudelführer nicht beschützen? Hunde bewerten unser Verhalten danach, ob wir unsere Rolle im Rudel einnehmen und “unseren Job machen”. Haben Hunde das Gefühl, dass wir uns aus ihrer Sicht logisch verhalten, werden sie uns blind vertrauen und folgen. Verhalten wir uns aus ihrer Sicht merkwürdig, werden sie dies nicht – insbesondere nicht in ein fremdes Territorium. Wenn wir eine vertrauensvolle Beziehung mit Hund anstreben, in dem beide Partner sich auf Augenhöhe treffen, müssen wir uns genau so verhalten. Dann brauchen wir keine Bestechung, keine Bestrafung und keine Machtdemonstration. Die Beziehung schaffen oder gefährden wir an jeden Tag in unserem Alltag. Dafür müssen wir nicht mehr tun, als in die Welt der Hunde einzutauchen, ihre Bedürfnisse zu verstehen und sie ohne Bewertung durch die Welt der Menschen führen.

Unser Fazit: Eine entspannte Reise mit Hund braucht mehr als eine passende unterkunft

Auch wenn eine gute Vorbereitung mit der Auswahl einer hundefreundlichen Unterkunft, einem passenden Klima, der richtigen Impfung etc. wichtig ist: damit eine Reise mit Hund für alle entspannt verläuft, braucht es mehr. Wir müssen in die Seele unserer Hunde eintauchen und ihre wahren Bedürfnisse verstehen lernen. Und das ist ganz einfach, denn unsere Welt ist seit jeher der Lebensraum der Hunde. Anders als Wildtiere fürchten sie uns nicht und sie sind fast permanent bei uns – die besten Voraussetzungen das Verhalten meines Hundes beobachten zu können. Wie trifft er Entscheidungen? Welche Rituale hat er? Wann ist er unsicher? Welche Rolle spielen Menschen in seinem Leben? Das Buch “Das geheime Leben der Hunde” gibt uns einen wunderbaren Einblick in die Seele und Denkweise unserer Hunde.

Dein Hund wird alles für Dich tun und dir vertrauensvoll auf eine Reise folgen, wenn er weiß, dass du alles für ihn tun würdest. Damit meine ich nicht das 100. Spielzeug oder Leckerli. Ich spreche hier von Respekt und Augenhöhe, von einem Miteinander und nicht einem Gegeneinander. Ein Zurücktreten wenn es gefordert und ein Händereichen wenn es gewünscht wird. Ein wertfreies und interessiertes Beobachten des anderen ohne Abwertung oder Verurteilung. Wenn wir lernen, unseren Hund als Individuum zu respektieren und ihn nicht mehr als fragen, ob er ein Stück des Weges mit uns gehen möchte, dann haben wir eine Chance auf ein friedliches Miteinander – und auf viele gemeinsame Abenteuer und harmonische Reisen.

Wir wünschen Euch viel Spaß beim Lesen und beim Eintauchen in die Welt und Seele Eurer Hunde!
Was eine Reise für einen Hund bedeutet
Eure
Leonie und Luna
Diesen Reisetipp teilen
Hat Dir der Reisetipp gefallen?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.